Joscha Seehausen
 

Warum Film? Such dir doch einen richtigen Beruf.

Haben Sie ein wenig Zeit mitgebracht? Dann erzähle ich Ihnen gerne, warum ich meinen Beruf trotz langer Arbeitstage, vielen Nächten fernab von zu Hause, schwerer Technik, und immer neuen Herausforderungen so sehr liebe.

Schon als kleines Kind habe ich mit dem Kassetten-Recorder von meinem Opa gespielt. Mein Bruder musste als Co-Moderator, Antagonist, Geräuschemacher und Zuhörer herhalten, und so hielten wir kleine Geschichten ohne Sinn und Verstand fest. Die Ergebnisse wurden oft schon am selben Tag wieder überspielt. Es ging also nicht um das festhalten, sondern um die Magie des Machens. Es folgten Experimente mit der Spiegelreflexkamera meines Vaters, die mit teuer entwickelten Filmen voller unscharfer Fotos von Möbeln, Pflanzen, Spielsachen und genervten Eltern endeten.

Mit 12 bekam ich eine digitale Fotokamera geschenkt. Eine einfache Olympus. Kein Zoom, grauenhafte Auflösung, und 32 Megabyte Speicher. Ferngläser, Lupen und Spiegel wurden vor die kleine Linse gehalten und die ersten Videos entstanden. Maximal 8 Sekunden pro Clip, 640x320 Pixel, kein Ton.

Der Spielplatz war eröffnet. Keine Eltern die sich über die Filmrollen voller Quatsch beschwerten, Bildbearbeitung im Wunderprogramm “Picture It” und endlich die Möglichkeit eigene Videos zu drehen. 90% der Videos zeigten wie wir etwas anzünden. Kerzen, Holz, Mülltonnen.

Mit 15 verschmolzen die beiden Disziplinen Bild und Ton mit einander. Ich hatte den Lärm meiner Schülerband inzwischen vielfach auf Mehrspur-Aufnahmen festgehalten und mit Youtube gab es auf einmal eine Plattform um das Gehacke und Geschrabbel and die Öffentlichkeit zu bringen. Mit viel Elan und Windows Movie Maker wurde in kürzester Zeit das erste Musikvideo zusammen getackert (Es ist immer noch Online), und seit dem hat mich das Filme machen und alles was damit verbunden ist nicht mehr losgelassen.

Mit der eigenen Band wollten wir natürlich nicht nur digital zu sehen sein, sondern auch Live. Am liebsten auf großen, professionellen Bühnen. Die wurden uns jedoch zurecht verweigert, also organisierten wir unsere Konzerte vorerst selbst. Und damit es trotzdem professionell aussieht wurde das gesamte Taschengeld für viele Monate und Jahre in Lichttechnik investiert. Mit einigen wenigen Par-Scheinwerfern, sehr vielen Baulampen, zwei Dimmern und einem DMX Mischpult kam dann auch in Sachen Licht-Gestaltung Licht ins Dunkel. Die Nebelmaschine rundete das Gesamtpaket irgendwann ab. Es kam durchaus vor, dass sich der gesamte Freundeskreis am Wochenende im Proberaum traf und der Höhepunkt dieser Treffen, das vollständige einnebeln und damit der kollektive Verlust des Sehvermögens war. An dieser Stelle bedanke ich mich für die laissez fairen Erziehungsmethoden unserer Eltern.

Es folgten Gehversuche als DJ (Tolle Technik, schlechte Musik) und die Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann beim WDR. Das Filmemachen brach jedoch an allen Ecken und Enden aus seinem zu eng gewordenen Korsett. Es häuften sich Anfragen von befreundeten Bands, ob man nicht auch für sie mal ein Musikvideo drehen könne, Sketche wurden am Fließband produziert und aus dem kleinen Hobby wurde eine hochheilige Passion.

Irgendwann kam es zum ersten richtigen Auftrag. Eine WDR Redakteurin fragte, ob ich beim Soundcheck von Max Herre im Kölner E-Werk einen Song mit mehreren Kamera filmen und das Ganze dann schneiden könne. Ich ließ die Dame natürlich im Unklaren darüber, dass ich ja eigentlich Auszubildender beim eben gleichen Sender sei und fragte am nächsten Tag meinen damaligen Chef, ob etwas dagegen spräche, wenn ich als Kleinunternehmer nebenbei ein wenig dazu verdienen würde. Er stimmte dem Ganzen wiederwillig zu, und so wurde ich mit 21 nebenberuflich selbstständig. Drei Jahre später verließ ich den WDR, machte einen kleinen Zwischenstopp bei einer Hamburger Werbeagentur und sprang danach zuversichtlich in die freien Gewässer der vollkommenen Selbstständigkeit.

Seitdem konnte ich meine Medien-Passion und die liebe zum Geschichten erzählen in vielen Projekten ausleben. Immer wieder erinnert mich mein heutiger Beruf an die Faszination und Euphorie die Technik und Geschichten schon in meiner Kindheit in mir ausgelöst haben und damit kann ich von mir behaupten:

Ich lebe meinen Kindheitstraum. (Und das fühlt sich richtig gut an.)


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